Strompreise in Deutschland steigen wieder: Was Verbraucher jetzt wissen sollten

Strompreise in Deutschland steigen wieder: Was Verbraucher jetzt wissen sollten

Autor: Ciubara Serghei
30. September 2026

Die Strompreise in Deutschland sind in den vergangenen Monaten wieder deutlich gestiegen. Nachdem die Preise im Frühjahr und zu Beginn des Sommers teilweise zurückgegangen waren, haben sich die Angebote für Neukunden seit Juni spürbar verteuert.

Nach aktuellen Daten von StromAuskunft lag der durchschnittliche Preis der günstigsten verfügbaren Stromtarife für Neukunden am 21. September 2026 bei rund 29,93 Cent pro Kilowattstunde. Im Juni lag dieser Wert noch bei etwa 23,47 Cent pro kWh.

Das entspricht einem Anstieg von rund 27,5 Prozent innerhalb weniger Monate.

Am 29. September 2026 lag der Durchschnitt der günstigsten Tarife bereits bei etwa 30,35 Cent pro kWh. Zum Vergleich: In der Grundversorgung lag der durchschnittliche Preis bei rund 40,37 Cent pro kWh.

 

Warum wird Strom in Deutschland wieder teurer?

Für die aktuelle Entwicklung gibt es nicht nur einen einzigen Grund.

Der Endpreis für Strom setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Dazu gehören unter anderem der Einkaufspreis für die Energie, Netzentgelte, Steuern, Abgaben und weitere regulierte Kosten.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Großhandelsmarkt.

Deutschland ist eng in den europäischen Strommarkt integriert. Die Preise werden unter anderem durch die Entwicklung der Gaspreise, die verfügbare Stromproduktion und die Nachfrage beeinflusst.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Vereinfacht gesagt kann in bestimmten Situationen das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis am Großhandelsmarkt mitbestimmen.

Wenn beispielsweise weniger Strom aus Wind- und Solaranlagen zur Verfügung steht, können zusätzliche Kraftwerke benötigt werden. Dadurch kann sich der Großhandelspreis erhöhen.

Auch geopolitische Entwicklungen und Veränderungen auf den internationalen Energiemärkten können sich deshalb auf die Strompreise in Deutschland auswirken.

 

Wie haben sich die Strompreise 2026 entwickelt?

Die Daten von StromAuskunft zeigen eine deutliche Veränderung im Jahresverlauf:

Zeitraum Durchschnittlicher Preis für neue Tarife
Januar 2026 23,84 ct/kWh
Februar 23,90 ct/kWh
März 24,94 ct/kWh
April 27,24 ct/kWh
Mai 24,49 ct/kWh
Juni 23,47 ct/kWh
Juli 25,10 ct/kWh
August 27,03 ct/kWh
21. September 29,93 ct/kWh
29. September 30,35 ct/kWh

Besonders auffällig ist die Entwicklung seit Juni. Nach dem Tiefpunkt von 23,47 Cent pro kWh sind die Preise innerhalb weniger Monate wieder deutlich gestiegen.

Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von beispielsweise 3.500 kWh würde allein die Differenz zwischen 23,47 und 29,93 Cent pro kWh rund 226 Euro pro Jahr ausmachen.

Dabei handelt es sich allerdings um einen Vergleich des Arbeitspreises. Grundpreis, Boni und weitere Vertragsbestandteile können die tatsächlichen jährlichen Kosten verändern.

 

Wichtig: Nicht jeder Haushalt zahlt automatisch mehr

Eine häufige Fehlinterpretation besteht darin, die aktuellen Preise für Neukunden direkt mit der eigenen Stromrechnung gleichzusetzen.

Das ist nicht korrekt.

Die genannten Werte beziehen sich insbesondere auf neue Stromtarife für Neukunden. Wer bereits einen bestehenden Vertrag mit einem günstigen Preis und einer laufenden Preisgarantie hat, kann weiterhin deutlich weniger bezahlen.

Deshalb bedeutet ein Anstieg der aktuellen Marktangebote nicht automatisch, dass jeder Haushalt in Deutschland sofort 20 oder 30 Prozent mehr für seinen Strom bezahlen muss.

Entscheidend ist immer der individuelle Vertrag.

 

Grundversorgung kann deutlich teurer sein

Besonders interessant ist der Unterschied zwischen günstigen Angeboten und der Grundversorgung.

Ende September 2026 lag der durchschnittliche Preis in der Grundversorgung laut StromAuskunft bei rund 40,37 Cent pro kWh, während günstige Neukundentarife bei etwa 30,35 Cent pro kWh lagen.

Die Differenz beträgt damit rund 10 Cent pro kWh.

Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh entspricht das rechnerisch einem Unterschied von ungefähr 350 Euro pro Jahr.

Das zeigt: Wer seinen Stromvertrag seit Jahren nicht überprüft hat, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass er noch einen konkurrenzfähigen Tarif besitzt.

 

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Nach Angaben des BDEW liegt der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland 2026 bei ungefähr 37,0 Cent pro kWh.

Davon entfallen ungefähr:

  • 15,2 Cent/kWh auf Beschaffung und Vertrieb,

  • 9,2 Cent/kWh auf Netzentgelte,

  • 12,6 Cent/kWh auf Steuern, Abgaben und weitere staatlich beziehungsweise regulierte Bestandteile.

Diese Aufteilung zeigt, warum der Strompreis für Verbraucher nicht ausschließlich vom Börsenpreis abhängt.

Selbst wenn die Großhandelspreise sinken, kann der Endpreis für Haushalte vergleichsweise hoch bleiben, wenn andere Bestandteile der Stromrechnung steigen.

 

Regierung unterstützt bei den Netzkosten

Gleichzeitig versucht die Bundesregierung, die Belastung der Verbraucher bei den Netzentgelten zu reduzieren.

Für das Jahr 2026 stellt der Bund 6,5 Milliarden Euro zur Entlastung bei den Netzkosten bereit.

Für die Jahre 2027 bis 2029 sind jeweils rund 5,525 Milliarden Euro pro Jahr für die Unterstützung bestimmter Netzkosten vorgesehen.

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Belastung der Stromkunden zu begrenzen.

Damit entsteht derzeit ein gemischtes Bild: Einerseits gibt es Preisrisiken durch den Energiemarkt und den notwendigen Ausbau der Infrastruktur. Andererseits versucht der Staat, bestimmte Kostenbestandteile abzufedern.

 

Was erwartet Deutschland bei den Strompreisen 2027?

Eine konkrete Preissteigerung für 2027 lässt sich heute nicht seriös garantieren.

Die Entwicklung hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur liegen die Markterwartungen für die durchschnittlichen Großhandelspreise für die Jahre 2026 bis 2029 ungefähr in einer Bandbreite von 65 bis 95 Euro pro MWh. Gleichzeitig sind kurzfristige Preisspitzen weiterhin möglich.

Das bedeutet: Es gibt derzeit keine belastbare Grundlage für die Aussage, dass Strom in Deutschland automatisch jedes Jahr deutlich teurer werden muss.

Vielmehr müssen Verbraucher mit einem weiterhin volatilen Energiemarkt rechnen.

Wichtige Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • Entwicklung der Gaspreise;

  • geopolitische Entwicklungen;

  • Stromproduktion aus Wind und Photovoltaik;

  • Phasen mit wenig Wind und wenig Sonne;

  • Entwicklung des Stromverbrauchs;

  • Ausbau und Modernisierung der Stromnetze;

  • Steuern und Abgaben;

  • Elektromobilität;

  • Wärmepumpen;

  • Ausbau erneuerbarer Energien.

 

Die Stromnetze werden in Zukunft noch wichtiger

Deutschland befindet sich mitten in einem großen Umbau des Energiesystems.

Immer mehr Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen werden installiert. Gleichzeitig steigt die Zahl der Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen.

Das bedeutet auch: Die Stromnetze müssen erweitert und modernisiert werden.

Die Bundesnetzagentur geht von jährlichen Netzkosten von ungefähr 37 Milliarden Euro aus.

Die Netzentgelte werden deshalb auch in den kommenden Jahren ein wichtiges Thema für Verbraucher bleiben.

Die Bundesnetzagentur arbeitet bereits an einer neuen Systematik für die Netzentgelte. Diese soll ab 2029 schrittweise an die Stelle des bisherigen Systems treten.

Langfristig könnte ein steigender Stromverbrauch allerdings auch dazu führen, dass bestimmte Infrastrukturkosten auf eine größere Menge an verbrauchtem Strom verteilt werden.

 

Sollten Verbraucher jetzt ihren Stromanbieter wechseln?

Nicht unbedingt.

Eine Entscheidung sollte nicht allein aufgrund einer Schlagzeile über steigende Strompreise getroffen werden.

Wer beispielsweise aktuell einen günstigen Tarif mit einer noch laufenden Preisgarantie besitzt, muss nicht automatisch wechseln.

Anders kann die Situation bei einem Haushalt aussehen, der sich in der teuren Grundversorgung befindet oder dessen bisheriger Vertrag bald endet.

Vor einem Wechsel sollten deshalb mehrere Punkte geprüft werden:

  • Arbeitspreis pro kWh;

  • Grundpreis;

  • Dauer der Preisgarantie;

  • Vertragslaufzeit;

  • Kündigungsfrist;

  • Bonusbedingungen;

  • tatsächlicher Jahresverbrauch;

  • Bedingungen des neuen Tarifs.

Ein besonders niedriger Arbeitspreis bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Tarif am Ende günstiger ist.

 

Mein Fazit

Der deutsche Strommarkt befindet sich wieder in einer Phase, in der Verbraucher ihre Stromverträge genauer überprüfen sollten.

Die Entwicklung der vergangenen Monate ist deutlich: Die durchschnittlichen Preise der günstigsten neuen Tarife sind von 23,47 Cent/kWh im Juni auf über 30 Cent/kWh Ende September 2026 gestiegen.

Gleichzeitig wäre es falsch, daraus einen sicheren weiteren starken Preisanstieg für 2027 abzuleiten.

Die zukünftige Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab – von den Gaspreisen und der geopolitischen Situation über die Entwicklung der erneuerbaren Energien bis hin zu Netzentgelten, Steuern und staatlichen Maßnahmen.

Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines:

Nicht nur auf den allgemeinen Strompreis schauen, sondern den eigenen Vertrag regelmäßig überprüfen.

Ein Tarif, der heute günstig ist, kann nach Ablauf einer Preisgarantie deutlich weniger attraktiv werden. Umgekehrt muss ein bestehender günstiger Vertrag nicht allein wegen steigender Neukundenpreise sofort gekündigt werden.

Eine individuelle Prüfung von Arbeitspreis, Grundpreis, Preisgarantie und Vertragsbedingungen ist deshalb wichtiger als eine pauschale Aussage über steigende oder fallende Strompreise.

Je nach Verbrauch und aktuellem Vertrag können durch einen Tarifwechsel mehrere hundert Euro pro Jahr eingespart werden.


 

Ciubara Serghei
Unabhängiger Berater für Strom, Gas und Telekommunikation in Deutschland

 

Quellen: StromAuskunft, Bundesnetzagentur, BDEW und Bundesregierung.
Stand der Daten: September 2026. Preise und Marktbedingungen können sich abhängig von Anbieter, Region, Verbrauch und Vertragsbedingungen verändern.