An sehr heißen Sommertagen können die Strompreise an den europäischen Energiebörsen deutlich steigen.
Auf den ersten Blick wirkt das unlogisch: Die Sonne scheint, Photovoltaikanlagen erzeugen Strom und Heizungen werden kaum genutzt. Starke Hitze erhöht jedoch gleichzeitig den Stromverbrauch und erschwert die Stromerzeugung.
Im Sommer 2026 war dieser Effekt erneut in Deutschland und anderen europäischen Ländern zu beobachten. In einzelnen Hitzeperioden erreichten die Großhandelspreise für Strom ein Niveau, das sonst eher im Winter vorkommt.
Wichtig ist: Ein steigender Börsenpreis bedeutet nicht, dass sich ein bestehender Stromtarif für Privatkunden bereits am nächsten Tag automatisch verteuert. Bleiben die Preise jedoch längere Zeit hoch, können sie zukünftige Tarifangebote beeinflussen.
1. Klimaanlagen und Kühlung erhöhen den Stromverbrauch
Während einer Hitzewelle werden zahlreiche Geräte stärker genutzt:
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Klimaanlagen;
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Ventilatoren;
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Kühl- und Gefrierschränke;
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Kühlanlagen in Geschäften und Restaurants;
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industrielle Kühlsysteme;
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Server und Rechenzentren.
Je höher die Außentemperatur ist, desto mehr Energie wird benötigt, um Räume, Lebensmittel und technische Anlagen zu kühlen.
Klimaanlagen sind in Deutschland bisher weniger verbreitet als in Südeuropa. Ihre Zahl steigt jedoch, insbesondere in Büros, Geschäften und modernen Wohngebäuden.
Wenn viele Geräte gleichzeitig laufen, steigt die Stromnachfrage. Besonders hoch kann die Belastung am Nachmittag und am frühen Abend sein.
2. Bei großer Hitze gibt es häufig wenig Wind
Längere Hitzeperioden hängen häufig mit stabilen Hochdruckgebieten zusammen.
Dabei kann es folgende Bedingungen geben:
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viel Sonnenschein;
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hohe Temperaturen;
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wenige Wolken;
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schwachen Wind.
Photovoltaikanlagen erzeugen unter diesen Bedingungen viel Strom. Gleichzeitig kann die Stromproduktion aus Windkraft deutlich zurückgehen.
Windenergie ist eine der wichtigsten Stromquellen Deutschlands. Wenn wenig Wind weht, muss der fehlende Strom durch andere Kraftwerke ersetzt werden, beispielsweise durch Gas- oder Kohlekraftwerke. Deren Produktion ist in der Regel teurer.
Im Mai 2026 stiegen die deutschen Börsenstrompreise deutlich, weil die Hitze den Kühlbedarf erhöhte und gleichzeitig weniger Windstrom zur Verfügung stand.
3. Photovoltaikanlagen verlieren bei extremer Hitze an Leistung
Solarmodule benötigen Sonnenlicht. Extrem hohe Temperaturen verbessern ihre Leistung jedoch nicht.
Wenn sich die Module stark aufheizen, sinkt ihr Wirkungsgrad. Deshalb kann eine Photovoltaikanlage an einem sehr heißen Tag weniger Strom produzieren als an einem sonnigen, aber kühleren Tag.
Am Abend nimmt die Solarstromproduktion schnell ab. Klimaanlagen, Kühlschränke und andere elektrische Geräte laufen jedoch weiter.
Deshalb können insbesondere die Abendstunden teuer werden, wenn weniger Solarstrom verfügbar ist und zusätzliche Kraftwerke einspringen müssen.
4. Kraftwerke benötigen Wasser zur Kühlung
Atomkraftwerke, Gaskraftwerke und andere thermische Kraftwerke verwenden Wasser zur Kühlung ihrer Anlagen.
Während einer langen Hitzeperiode:
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erwärmen sich Flüsse;
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können Wasserstände sinken;
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wird die Kühlung der Kraftwerke schwieriger;
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gelten Umweltgrenzen für die Rückleitung von erwärmtem Wasser in Flüsse.
Einige Kraftwerke müssen deshalb ihre Leistung reduzieren oder einzelne Anlagen vorübergehend abschalten.
Im Sommer 2026 führten hohe Wassertemperaturen in europäischen Flüssen bereits zu Einschränkungen bei mehreren Atomkraftwerken. Dadurch stand dem gemeinsamen europäischen Strommarkt weniger Erzeugungsleistung zur Verfügung.
5. Trockenheit reduziert die Wasserkraftproduktion
Längere Hitzeperioden gehen häufig mit geringen Niederschlägen einher.
Wenn Flüsse und Stauseen weniger Wasser führen, können Wasserkraftwerke weniger Strom erzeugen.
Im ersten Halbjahr 2026 lag die Stromerzeugung aus Wasserkraft in Deutschland 7,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Als Ursache nennt der BDEW unter anderem die geringen Niederschlagsmengen.
Wasserkraft ist in Deutschland zwar nicht die wichtigste Stromquelle. Eine geringere Produktion erhöht jedoch den Druck auf das gesamte europäische Stromsystem.
6. Gaskraftwerke arbeiten bei Hitze weniger effizient
Gasturbinen können bei sehr hohen Lufttemperaturen einen Teil ihrer Effizienz verlieren.
Gleichzeitig werden Gaskraftwerke häufig benötigt, wenn Strom aus Wind, Sonne, Wasserkraft oder anderen Quellen nicht ausreicht.
Da Strom aus Gas in der Regel teurer ist, können Gaskraftwerke in Stunden mit hoher Nachfrage den hohen Börsenpreis bestimmen.
Auch der Gaspreis spielt eine wichtige Rolle. Steigt der Gaspreis aufgrund geopolitischer Ereignisse, Lieferproblemen oder einer erhöhten Nachfrage, wird ebenfalls die Stromproduktion teurer.
Wie entsteht der Börsenstrompreis?
Auf dem kurzfristigen Strommarkt bieten verschiedene Erzeuger ihren Strom zu unterschiedlichen Kosten an.
Zunächst werden Anlagen mit niedrigen laufenden Kosten eingesetzt:
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Photovoltaikanlagen;
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Windkraftanlagen;
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weitere erneuerbare Energiequellen.
Reicht diese Produktion nicht aus, müssen teurere Kraftwerke zugeschaltet werden.
Der Preis einer bestimmten Stunde wird häufig durch das letzte Kraftwerk bestimmt, das zur vollständigen Deckung der Nachfrage benötigt wird. Ist dieses letzte Kraftwerk ein teures Gaskraftwerk, gilt der dadurch entstehende Preis für die gesamte in dieser Stunde gehandelte Strommenge.
Deshalb kann bereits ein vergleichsweise kleiner Mangel an günstigem Strom zu einem starken Preissprung führen.
Was geschah im Sommer 2026?
Europa erlebte im Sommer 2026 mehrere Phasen extremer Hitze.
Mehrere Faktoren kamen gleichzeitig zusammen:
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Der Kühl- und Klimatisierungsbedarf stieg.
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Die Windstromproduktion ging zurück.
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Einige Kraftwerke hatten Probleme mit der Kühlung.
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Gas- und Solaranlagen verloren bei hoher Temperatur an Effizienz.
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Die Gaspreise standen zusätzlich unter Druck.
In Deutschland erreichte der Day-Ahead-Strompreis an einzelnen Tagen im Juni etwa 210 Euro pro Megawattstunde. Damit lag er auf einem Niveau, das sonst eher in Winterperioden vorkommt.
Dabei handelt es sich um einen Großhandelspreis und nicht um den Kilowattstundenpreis auf der Rechnung eines privaten Haushalts.
Wird Strom jetzt für alle Kunden teurer?
Nicht zwangsläufig.
Die meisten Privatkunden in Deutschland haben einen Tarif mit einem festen Preis für einen bestimmten Zeitraum. Energieversorger kaufen einen Teil ihres Stroms langfristig im Voraus ein. Ein kurzfristiger Börsenpreissprung wirkt sich deshalb normalerweise nicht sofort auf die Kundenrechnung aus.
Der endgültige Tarifpreis besteht unter anderem aus:
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Strombeschaffungskosten;
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Netzentgelten;
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Steuern und staatlichen Abgaben;
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Kosten des Energieversorgers;
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Dauer der Preisgarantie;
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Wohnregion;
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Jahresverbrauch.
Bleiben die Großhandelspreise jedoch dauerhaft hoch, können neue Tarife und Vertragsverlängerungen teurer werden.
Kunden mit einem dynamischen Stromtarif spüren Veränderungen schneller, weil ihr Preis unmittelbar oder zeitnah an den stündlichen Börsenpreis gekoppelt ist.
Was können Verbraucher tun?
Während einer Hitzewelle kann es sinnvoll sein:
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Räume nicht stärker als notwendig zu kühlen;
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Fenster und Rollläden tagsüber geschlossen zu halten;
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morgens und nachts zu lüften;
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Klimaanlagen in leeren Räumen auszuschalten;
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energieeffiziente Geräte zu verwenden;
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die Laufzeit der Preisgarantie zu überprüfen;
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Tarife rechtzeitig vor Vertragsende zu vergleichen.
Kunden mit einem dynamischen Tarif können einen Teil ihres Stromverbrauchs auf Zeiten verschieben, in denen viel Solar- oder Windstrom zur Verfügung steht und der Börsenpreis niedriger ist.
Fazit
Hitze beeinflusst den Strompreis auf zwei Seiten.
Einerseits steigt der Stromverbrauch durch Klimaanlagen und Kühlsysteme. Andererseits kann die Stromproduktion sinken: Es weht weniger Wind, Flüsse erwärmen sich, Wasserstände fallen und Kraftwerke sowie Solarmodule verlieren an Effizienz.
Das bedeutet nicht, dass jeder heiße Tag automatisch den monatlichen Abschlag erhöht. Längere Hitzeperioden können jedoch die Schwankungen am Strommarkt verstärken und sich später auf neue Tarifangebote auswirken.
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